Verschiedene Darreichungsformen von Nahrungsergänzungsmitteln

Für jeden von uns ist ein leckeres, schön angerichtetes Essen ein Genuss. Auch bei Nahrungs-ergänzungsmitteln isst das Auge mit. Ein ansprechendes Produkt führt zu einer guten Akzeptanz und Compliance beim Verbraucher. Eine gute Compliance sorgt nicht nur für eine regelmäßige Einnahme, sondern kann sogar für eine bessere Aufnahme der Nährstoffe durch den Körper beitragen. Bei Arzneimitteln ist belegt, dass die Bioverfügbarkeit der Wirkstoffe höher ist, wenn der Patient eine positive Einstellung zu seiner medikamentösen Therapie hat. Neben der sinnlichen Komponente beeinflusst die Darreichungsform auch technische Werte wie die Haltbarkeit, weil sie vor Licht und Luft schützen kann. Es gibt verschiedenste Darreichungsformen, die in diesem Artikel kurz im Überblick vorgestellt werden sollen.  Im Nachfolgenden werden verschiedene Kapseltypen (Hartkapseln, Weichkapseln, Kaukapseln), Tabletten sowie die Darreichungsform Stick besprochen.

Hartkapseln:

Hartkapseln eignen sich besonders für Vitamine und Mineralstoffe sowie Pflanzen- und Extraktpulver. Sie bestehen aus zwei vorgefertigten Hälften. Die untere, im Durchmesser etwas geringere Hälfte, „Body“ genannt, wird befüllt, während das im Durchmesser größere „Cap“ wie eine Kappe auf die gefüllte untere Hälfte gesetzt wird. Feine Rillen führen zu einem festen Verschluss von Body und Cap, so dass die Kapsel nicht in zwei Teile zerfallen kann und das Pulver nicht an der Naht austritt. Es gibt Kapselhüllen in verschiedenen Größen, die weltweit genormt sind. Bei Nahrungsergänzungsmitteln kommen die Größen 1, 0 bis hin zur 00 am häufigsten zum Einsatz. Abhängig von der Dichte des Füllgutes können die Hartkapseln in der Regel zwischen 290 und 850 mg Füllgut pro Kapsel enthalten. Hartkapseln können aus verschiedenen Grundstoffen bestehen. Die wichtigsten sind Gelatine und HPMC (Hyroxypropylmethylcellulose) als vegetarische Alternative. Sogar die Entwicklung von Bioprodukten ist mit Hartkapseln möglich, denn der Einsatz von HPMC Kapseln ist nach Anhang 8 der Verordnung (EG) Nr. 889/2008  erlaubt, solange keine weiteren Zusatzstoffe in der Kapselhülle enthalten sind. Das ist z. B. für sogenannte nature caps® garantiert.

Weichkapseln:

Weichkapseln eignen sich besonders für Öle oder Emulsionen bis hin zu einer pastösen Konsistenz. Die Kapseln werden nicht vorgefertigt, wie die beiden Hälften einer Hartkapsel, sondern sie werden direkt beim Abfüllungsprozess aus zwei aufeinander zulaufenden Bändern im sogenannten Rotary Die-Verfahren mit rotierenden Walzen geformt. Das Füllgut wird dann von zwei gleichgeformten Teilen der Kapselhülle, die mit einer Naht dicht verbunden sind, umschlossen. Es gibt verschiedene Formen von rund über oval bis oblong oder die sogenannte Twist-Off-Kapsel. Diese Kapsel hat einen kleinen Fortsatz, der manuell abgedreht werden  kann. Das Füllgut wird so durch die kleine entstehende Öffnung entleert und kann ohne die Kapselhülle eingenommen werden. Es existiert auch ein weites Größenspektrum, wobei Füllmengen von ca. 1200 mg meist die Obergrenze für eine noch akzeptable Schluckfähigkeit darstellen. Weichkapseln können aus Gelatine oder auch aus einer vegetarischen Quelle, z.B.  auf Basis von Carrageen hergestellt werden. Carrageen ist eine Sammelbezeichnung für eine Gruppe langkettiger Kohlenhydrate (Polysaccharide), die in den Zellen verschiedener Rotalgenarten vorkommen.

Kaukapsel:

Eine besondere Form der Weichkapsel ist die Kaukapsel, im Englischen auch Chewable genannt. Wie der Name sagt ist das besondere dieser Kapsel, dass die Kapselhülle und auch der Inhalt speziell für das Zerkauen entwickelt wurden. Eine Aromatisierung sowohl von Kapselhülle als auch der Kapselfüllung ist möglich und unterstützt den sensorischen Gesamteindruck sehr positiv. Eine Mischung aus verschiedenen Vitamin-C Verbindungen und Süßstoffen sorgt für einen ausgewogenen süß-sauren Geschmack der Füllung, der schnell entsteht und trotzdem lange anhält. So können auch sensorisch anspruchsvolle Produkte wie Fischöl in eine geschmacklich sehr ansprechende Form gebracht werden, die sogar für Kinder gut geeignet ist. Mit hochwertigen Omega-3 Konzentraten wie z.B. den nahezu geschmacksneutralen EPAX TG/N Ölen („N“ für Neutral) können relevante Mengen an Omega-3 Fettsäuren in einer Kaukapsel untergebracht werden. Die mögliche Öl-Füllmenge einer Kapsel der Größe 10 minims oval beträgt 190 mg. Obergrenze des Öl-Anteils im Gesamt-Füllgut ist ca. 430 mg. Hinzu kommt, dass bei Kaukapseln auch gut größere Formen gewählt werden können, da sie nicht im Ganzen geschluckt werden müssen, sondern zerkaut werden.

Für eine ansprechende Optik kann die Hülle von Hart- und Weichkapseln transparent gehalten, mit Titandioxid opakisiert oder in verschiedensten Tönen gefärbt werden. Eine opake, blickdichte Kapselhülle bietet den Inhaltsstoffen zusätzlichen Schutz vor Licht.  Bei nicht-kaubaren Kapseln ist die vom europäischen Arzneibuch vorgegebene Zerfallszeit 30 Minuten, die jedoch in der Regel deutlich unterschritten wird. 

Die Gelatinekapseln enthalten einen gewissen Prozentsatz an Feuchtigkeit. Das kann zu ungewünschten Interaktionen mit sehr hygroskopischen Inhaltsstoffen führen, wie z.B. bei Magnesiumoxid oder Tanninen. Hygroskopische Pulver entziehen der Gelatine-Kapsel die nötige Restfeuchtigkeit, dadurch wird die Kapselhülle spröde und brüchig. Dies ist bei der Entwicklung einer Kapselrezeptur naturgemäß zu beachten.

Die größten Vorteile der Kapseln sind, dass die Abfüllung ohne oder mit relativ geringem Druck erfolgt. Auch eine thermische Belastung der Nährstoffe ist gering oder kann ganz vermieden werden. Außerdem schützt die Hülle nicht nur die Inhaltsstoffe vor Umwelteinflüssen, sondern auch unsere Geschmacksrezeptoren vor möglicherweise unangenehmen Geschmack. Viele Menschen schätzen z.B. Fischölkapseln, bei denen die umschließende Kapselhülle einen direkten Kontakt des Öls mit der Mundschleimhaut verhindert oder Hartkapseln, die Aktivsubstanzen mit gesunden Bitterstoffen einschließen und damit in eine gut aufnehmbare Form bringen.

Tabletten

Für die Herstellung einer technisch optimalen Tablettenrezeptur kann bisweilen ein aufwändiger Entwicklungsprozess notwendig sein. Jedoch sind hier auch einige Variationen möglich, die eine Kapsel nicht bietet. Als Beispiele sind Brausetabletten zu nennen oder Tabletten mit Bruchrillen für eine individuelle, feine Dosierbarkeit. Auch Überzüge (Coating) aus optisch-technischen Gründen bzw. zur Erzielung einer Magensaftresistenz sind bei Tabletten gut umsetzbar. Eine Tablette zerfällt nach dem Verschlucken sehr schnell in immer kleinere Aggregate, bis sie sich schließlich ganz auflöst. Laut Arzneibuch ist für Tabletten eine Zerfallszeit von maximal 15 Minuten zu erwarten, bei beschichteten Filmtabletten 30 Minuten.

Für die Pressung einer Tablette sind hohe Drücke notwendig. Deshalb sind nicht alle Rohstoffe für Tabletten geeignet. Beispielsweise kann der hohe Druck bei den meisten Ölpulvern die Öl-Matrix-Struktur beeinträchtigen, was entweder unmittelbar oder nach einiger Zeit zu einem Austreten von freiem Öl führt, was als „Fettflecken“ an der Oberfläche der Tablette sichtbar wird.

Das schonendste Verfahren ist die sogenannte Direkttablettierung. Wenn die Rohstoffe dafür geeignet sind, werden sie direkt mit den Tablettierhilfsstoffen gemischt und so verpresst. Eine vorausgehende Granulierung, die zeitaufwendig, teuer und potentiell aggressiv gegenüber den Inhaltsstoffen ist, kann dann entfallen.

Sticks

Sticks sind im Bereich der Nahrungsergänzungsmittel eine neue und sehr im Trend liegende Alternative zu Kapseln und Tabletten, die bei Konsumenten auf großes Interesse stößt. Sticks können, je nach Dichte, ca. 1 –  10 Gramm Pulver oder Granulat enthalten. So können auch Produkte entwickelt werden, die Health Claims erfüllen, für die mehrere Gramm eines Stoffes vorgeschrieben sind. Mit einen Stick können viele Kapseln ersetzt werden und die Reduzierung auf eine Portion am Tag macht ein Produkt unkomplizierter und beliebter beim Konsumenten.  Ein Pulver-Stick kann ganz individuell nach Geschmack des Verbrauchers eingenommen werden: Direkt, in Wasser, Saft oder Milch gelöst, in Joghurt gerührt oder zu vielen anderen Speisen gemischt werden.

Granulate und Pulver haben unterschiedliche Vorzüge. Während Granulate sich untereinander gut homogen mischen lassen und weniger feine Stäube bilden, haben Pulver den Vorteil, dass sie keine kosten- und  zeitintensive Vorbehandlung durchlaufen. Das Granulieren belastet die Inhaltsstoffe durch die Trocknungswärme. Außerdem müssen Trägerstoffe, meist Zuckerarten, und zum Teil Lösungsmittel zugesetzt werden.

Wie für alle Formen gilt hier, dass die fertige Mischung homogen und rieselfähig ist. Bei Sticks kommt hinzu, dass die Komponenten keinen zu starken Eigengeschmack aufweisen dürfen. Ist die Basis-Mischung der Zutaten geschmacklich relativ neutral, kann sie gut mit Aromen sowie mit süßen und fruchtig-sauren Zutaten kombiniert werden. So ist eine große Produktvielfalt möglich, die dem Verbraucher zu Gute kommt. Auch für Menschen, die Probleme mit dem Schlucken von Kapseln und Tabletten haben, ist ein Pulver oder Granulat im Portionsstick die ideale Darreichungsform. Im Stick können auch einzelne Portionen leichter in der Tasche mitgenommen werden als Blister oder eine ganze Dose.

All diese Möglichkeiten spiegeln die Individualität des modernen, flexiblen und schnellen Lebensstils wieder. So werden Nahrungsergänzungsmittel zu einem ansprechenden und gleichzeitig praktischen Weg, unsere Lebensqualität mit essentiellen Nährstoffen zu bereichern.

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